Einleitung


Spinnen sind eine wichtige Tiergruppe. Sie kommen in allen terrestrischen Ökosystemen arten- und individuenreich vor, tragen wesentlich zur Biodiversität bei und üben als räuberische Organismen eine wichtige regulatorische Funktion aus. Spinnen sind daher eine wichtige Indikatorgruppe für die Qualität eines Lebensraumes.


Obwohl einige Regionen Europas arachnologisch inzwischen sehr gut untersucht sind, ist die Arachnologie über lange Zeit so etwas wie eine Geheimwissenschaft geblieben. Vor 1991 gab es kein Bestimmungsbuch, in dem alle mitteleuropäischen Arten abgehandelt wurden. Zwar gab es durch die Bearbeitung von Wiehle und weiteren Forschern eine recht gute Darstellung in Dahl’s Tierwelt Deutschlands, aber diese Bearbeitung zog sich über fast 40 Jahre hin, wurde nie abgeschlossen und entsprach in den ersten Teilen kaum dem erforderlichen Standard. Zudem wurde vermutlich nur knapp die Hälfte der vorkommenden Arten erfasst und neuere nomenklatorische Änderungen konnten natürlich nicht berücksichtigt werden. Für die Bestimmung von Spinnen war der Anwender daher auf eine grosse Zahl weiterer Abhandlungen angewiesen, in günstigen Fällen Revisionen von Gattungen oder Familien, oft genug aber Publikationen über Erstbeschreibungen oder Erstnachweise. Diese schwer überschaubare Primärliteratur ist aber eine schlechte Basis für den Anfänger und auch Spezialisten haben oft ihre Mühe damit.


Mit den 1991 erschienenen Spinnen Mitteleuropas (Herausgeber Stefan Heimer und Wolfgang Nentwig, Paul Parey Verlag, Berlin) wurde zum ersten Mal für den deutschsprachigen Raum von 14 Mitarbeitern versucht, ein umfassendes Bestimmungsbuch  vorzulegen. Ab 1998 fand sich mit Theo Blick, Ambros Hänggi, Christian Kropf und Wolfgang Nentwig eine neue Herausgebergruppe, um Spinnen Mitteleuropas für das Internet aufzubereiten und dem aktuellen Wissensstand anzupassen. Die ursprüngliche HTML-Version erwies sich bald als nicht mehr zweckmässig und der geographische Bereich von Mitteleuropa war zu eng. Daher wurden ab 2006 die vorhandenen Informationen in eine Datenbank überführt, der geographische Rahmen auf Europa ausgedehnt und die Herausgebergruppe um Daniel Gloor ergänzt. Eine Wiki-Funktion ermöglicht jetzt jedem Nutzer, aktuelle Änderungen und Verbesserungen vorzuschlagen, die vor der Veröffentlichung im Internet jedoch von einem Experten geprüft werden. Ende 2010 steht Spinnen Europas, dem heutigen Wissensstand angepasst, in Deutsch und Englisch, allen Interessenten zur Verfügung.


Spinnen Europas ist eine Gemeinschaftsleistung der arachnologischen Gemeinschaft. Wir danken daher allen, die uns bisher auf vielfältige Weise unterstützt haben und uns erlaubt haben, ihre Abbildungen zu verwenden (Copyright & Acknowledgements). Mitte 2010 enthält diese Datenbank Angaben zu über 3900 europäischen Spinnenarten aus 58 Familien, mit über 16.000 Abbildungen, über 3900 Verbreitungskarten und über 600 Publikationen. Somit stellt Spinnen Europas eine der grössten Internet-Bestimmungsschlüssel überhaupt dar und wir hoffen, dass alle Nutzer dieses Projektes auch weiterhin hierzu beitragen.

Wolfgang Nentwig, Theo Blick, Daniel Gloor, Ambros Hänggi, Christian Kropf

Zitierhinweis: Nentwig W, Blick T, Gloor D, Hänggi A, Kropf C: Spinnen Europas. www.araneae.unibe.ch. Aktuelle Versionsnummer.